Straight Outta Compton

Drama, Review

“So what do you say to somebody you hate?
Or anyone tryna bring trouble your way?
Wanna resolve things in a bloodier way
Just study your tape of NWA.”

Eminem – Forgot about Dre

Als Kind der 90er habe ich die große Ära der “Niggaz Wit Attitudes” nur knapp verpasst. Meine einzigen Bezugspunkte zu der Gruppierung um Easy E, Dr.Dre, Ice Cube, DJ Yella und MC Ren waren die häufigen Erwähnungen in der Rap Szene. Erst in den frühen 2000ern kam ich wirklich mit der Gruppe in Berührung. Um so mehr freute ich mich auf den Film, der mir die Mitbegründer des Genres genauer vorstellt, dem ich verfallen bin.

Wirklich Straight out of Compton
Der Film besitzt von Anfang an ein ungewöhnliches, aber doch angenehmes Tempo im Storytelling. Denn im Grunde handelt es sich bei “Straight Outta Compton” um einen Film, der den Aufstieg vom Niemand, zur Berühmtheit dokumentiert. Eine Basis die, wenn auch autobiographisch, keine neue ist. Ein Subgenre, dass bereits viele Vertreter besitzt. Dementsprechend war die Entscheidung, den Fokus auf N.W.A identifizierende Inhalte zu legen gold richtig. Man hat ein gutes Gespür dafür, welche Themen und Ereignisse für den Zuschauer interessant sind. Wichtig war es, wenn auch nicht direkt vergleichbar, keinen zweiten “8 Mile” zu erschaffen. Denn diese Geschichte ist bereits erzählt. Man schneidet nur kurz an, woher die Akteure sich kennen, und wann die Idee zur Gründung eines Labels entstand. Nach einem harten Cut sieht man dann bereits die ersten Aufnahmen im Studio. Dadurch dass man gezielt auf Szenen verzichtet, oder sie reduziert, in denen die Akteure einfachen Berufen nachgehen, oder Zeit in ihrer Wohngegend verbringen, hat man mehr Zeit, die interessanten Aspekte der Gruppierung zu beleuchten. Wer war zum Beispiel dieser Manager, den Ice Cube im Disstrack “No Vaseline” als skrupellosen weisen Juden bezeichnet, und wie kam es zum Streit (Oder Hip-Hop umgangssprachlich “Beef”) zwischen den Fraktionen. All das wird in den diesem Film thematisiert.

To Easy with E
Im Vorfeld las und hörte ich bereits einige Kritiken, die nicht nur positive Aspekte des Films beleuchteten. Unter anderem wurde dem Film vorgewurfen, er wäre zu positiv. Die Kritik ist sogar berechtigt, denn bis auf Suge Knight, den ehemaligen Bodyguard und späteren Plattenlabelbesitzers von Death Row Records, der unter anderem im East Coast – West Coast Konflikt involviert war, kamen die beteiligten Personen zu gut weg. Der Film thematisierte zwar auch den Drogenkonsum, und die exzessiven Parties mit häufig wechselnden Sexualpartnern, jedoch nicht die Vorwürfe, die seit jeher im Raum stehen, nämlich dass Teile der Crew ein sehr schlechtes, und respektloses Verhalten gegenüber Frauen an den Tag legten, nicht zuletzt auch physische Auseinandersetzen sollen vorgekommen sein. Diese Einstellung wird im Film höchstens skizziert, nicht aber in seiner vollen Verwerflichkeit dargestellt.

Ein fast schon gegenteiliger Vorwurf ist der, dass Easy E nicht zu gut, sondern zu schlecht weg kam. Es ist zwar Fakt, dass die Gruppe sich nach beseitigen des Zwists, wieder vereinigen wollten, um ein neues Album aufzunehmen. Doch im Film wirkt es so, als hätte Easy E den anbiedernden Versuch gestartet, weil er selbst kein Geld mehr besitzt. Fast schon bezeichnend dafür ist, dass Easy E im Film zum Ice Cube bei dem Versuch der Versöhnung sagt, dass er seinen Film “Boys in the Hood” gut findet. Nun weiß niemand, wie sich die Versöhnung tatsächlich ereignete, doch es gibt berechtigte Zweifel dass ausgerechnet Easy E den Film seines Freundes / Rivalen, der zudem noch auf den Title seines ersten Hits basiert, in irgendeiner weise positiv erwähnt. Es wirkte fast verzweifelt. Hier kann man darüber streiten, wie viel Wahrheit darin steckt, und ob man es auch wirklich so darstellen muss, wenn es wahr wäre, werden doch die anderen Teile der Geschichte bereits geschönt dargestellt. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, der den Unterhaltungsfaktor des Films jedoch nur wenig trübt.

Fazit
Straight Outta Compton ist ein Film, der in der Basis eine Geschichte erzählt, die nicht neu ist, sie aber mit den individuellen Begebenheiten von N.W.A verfeinert, und für Hip Hop Genrefans mit der hervorragend platzierten und nuancierten Musik abrundet.

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